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Prinzipale und Aliquoten |
Betrachtet man eine Orgel von außen, so sieht man in der Regel nur einen winzigen Teil der Pfeifen, die dekorativ in das Gehäuse der Orgel eingearbeitet sind. Diese Pfeifen wurden ursprünglich „Prinzipale“ benannt. Das lateinische Wort „princeps“ bezeichnet den Ersten, den Vorstehenden. Gleichzeitig waren dies aber häufig auch die Pfeifen, die das klangliche Rückrad der Orgel bildeten. Heute steht der Name „Prinzipal“ für ein offenes (Labial-)Register mittleren Durchmessers mit kräftigem, nicht zu obertonreichem Klang. (Die Vorderfront der Orgel bezeichnen wir heute als „Prospekt“, und die darin stehenden Pfeifen als „Prospektpfeifen“.)
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Prinzipale und Aliquoten |
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die Taste c' |
Die wichtigsten Pfeifen sind demnach diejenigen des „Prinzipal 8'“ (sprich: Prinzipal acht Fuß“). Die Bezeichnung „8'“ steht dabei für die Bauhöhe der tiefsten und damit größten Pfeife. Diese erklingt auf der untersten Taste der Klaviatur der Orgel. Wird die Pfeife nur in halber Länge gebaut, so erklingt sie mit doppelter Frequenz; der Musiker nennt dies eine „Oktave“. Dieses Prinzipalregister heißt daher Oktave und wird zu den Aliquoten (lat. „alii“ bedeutet „die anderen“) gerechnet. Allgemein werden mit Aliquoten Register bezeichnet, die einen anderen Ton wiedergeben, als der Taste eigentlich zukommt, auf der sie erklingen. Eine Pfeife mit nur einem Drittel der normalen Bauhöhe klingt beispielsweise mit dreifacher Frequenz und damit eine Quinte und Oktave höher. Der oberste Registerzug rechts läßt eine Melodie mit dem Prinzipalregister erklingen. Pfeifen gleicher Bauart und Klangfarbe, die in anderer Tonhöhe klingen als es der Taste zukommt, der sie zugeordnet sind, werden dann nach ihrer musikalischen Lage und der relativen Höhe benannt: Bei halber (Bau-)Höhe (4') erklingt eine Oktave. Bei weiterem Halbieren erhält man wiederum eine Oktave (2'). Der zweite Registerzug läßt die Melodie mit dem Prinzipalregister sowie den Oktaven 4' und 2' erklingen. Andere Vielfache der Frequenz bilden andere musikalische Intervalle. Die dreifache Frequenz (Pfeifenhöhe 8':3 = 2 2/3') wird beispielsweise als Quinte interpretiert. Der gänzlich andersartige Klang als der der Oktaven wird bei Registerzug Nr. 3 deutlich. Eine häufig anzutreffende Kombination von Pfeifen ist der sogenannte „Sesquialter“. Auf einer Taste klingen hier zwei Pfeifen, und zwar Quinte und Terz. Sie geben dem Grundton einen markanten Klang (Registerzug „Sesquialter“). Dieser Klang eignet sich beispielsweise dazu, eine Solostimme deutlich von der Begleitung abzusetzen. Da man dem Klang einer Pfeife nichts „wegnehmen“ kann, müssen für zartere Klänge gänzlich andere Pfeifen gewählt werden. Register mit solch anderen Bauformen werden auf der folgenden Seite beschrieben. |
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